Tagbeobachtung mit einem Ballontheodoliten

Eine Tagbeobachtung kann man auch mit eher nicht für astronomische Zwecke hergestellte Instrumente betreiben. Es lohnt sich immer wieder, einen Blick über den Tellerrand zu werfen. Hervorragend geeignet sind auch die Theodoliten aus dem Vermessungswesen oder der Meteorologie.

Ballontheodolit

Bei dem hier benutzten Instrument, einem АШТ2 aus sowjetischer Produktion, handelt es sich um einen Ballontheodoliten. Eigentlich wurden diese Geräte dazu benutzt, um anhand der Richtungsänderung eines aufsteigenden Ballons Daten über die Windrichtung in unterschiedlichen Höhen der Atmosphäre zu sammeln oder die Wolkenhöhe zu messen. Diese Technik ist mit der Einführung von GPS-Wettersonden jedoch nur noch sehr selten im Einsatz, sodass man immer mal wieder günstig gebrauchte Ballontheodolite bekommen kann.

Ein Vorteil beim АШТ2 ist, dass das Objektiv über ein Fotogewinde verfügt. So kann man den Sonnenfilter (niemals ohne in die Sonne gucken! Das führt sonst zu schweren Augenschäden bis hin zur Erblindung!!!) bequem und sicher aufschrauben.

Zunächst muss, wie bei jeder Tagbeobachtung, das Beobachtungsinstrument genau aufgestellt werden. Die Horizontrierung des Theodoliten ist enorm wichtig, da nur so eine erfolgreiche Beobachtung nach Koordinaten möglich ist. Schließlich sieht man nur die wenigsten Objekte am Taghimmel mit bloßem Auge auf Anhieb (Sonne & Mond, bei Venus wird es ohne genaue Kenntnis der Position schon extrem schwierig).

Die meisten Theodoliten verfügen über einen Kompass zum Einnorden. Der АШТ2 hat eine Orientierungsboussole. Jedoch sollte man einem Magnetkompass nie trauen, ohne die Abweichung vom wahren Himmelspol zu kennen.

Deswegen lohnt sich das Einnorden anhand der Sonne. Diese wird gesucht und der entsprechende Wert für den Azimut eingestellt (bei einigen Modellen muss man erst den Azimut einstellen und dann das Objekt aufsuchen, je nachdem, was für ein Gerät verwendet wird). Unten werden die Koordinaten eingeblendet. In echt kann man diese natürlich wesentlich besser erkennen ;-).

Jetzt braucht man nur noch Azimut und Höhe eines nicht freiäugig sichtbaren Objektes einstellen, und es sollte im Okular erscheinen (hier die Venus, etwas verwackelt da nur mit dem Mobilfunktelefon durchs Okular abgelichtet).

Da der Himmel mit Schleierbewölkung bedeckt war, lohnte es sich nicht, nach Sternen zu suchen. Bei tiefblauem Himmel und relativ tief stehender Sonne (also am frühen Morgen oder späten Nachmittag) kann man jedoch sogar den Polarstern am Taghimmel sehen.