Tagbeobachtung mit der parallaktischen Montierung

Die Venus, durch das Okular eines Telemators abgelichtet. Dieses mal wurde ein Telemator verwendet, ein Teleskop mit parallaktischer, elektrischer Nachführung.

Wichtiger aber als ein Teleskop ist ein guter, blauer Taghimmel (wie man Objekte ohne Teleskop am Taghimmel findet hat Vereinskollege Stefan bereits hier gezeigt). Zugegeben, wenn das gewählte Objekt hell genug ist, macht ein bisschen Schleierbewölkung nichts aus. Also erstmal den Himmel anschauen:

OK, der Baum ist zum Beobachten eher suboptimal, aber einfach nur blauer Himmel sieht nicht so malerisch aus ;-). Außerdem steht er für die nachfolgende Beobachtung nicht im Weg. Hier ein Bild vom verwendeten Teleskop:

Das Teleskop ist gerade aufzustellen, Hilfe bieten die meistens verbauten Dosenlibellen. Notfalls so oft prüfen und nachstellen, bis alles passt. Gerade in der Tagbeobachtung ist das wichtig, ein „für visuelle Beobachtung wird’s schon reichen“ verhindert oft das Auffinden von Objekten, die man nicht mit bloßem Auge sieht.

(Fernrohr ist noch nicht richtig aufgestellt, hier nochmal nachbessern!)

(So passt das!)

Als nächstes braucht man seine geographischen Koordinaten. Man kann diese ganz klassisch mit Chronometer, Sextant und Tabellenbüchern ermitteln, hier empfiehlt sich jedoch der Einsatz von GPS. Die geographische Breite wird benötigt, um die Polhöhe am Teleskop richtig einzustellen. Dazu haben die meisten Montierungen eine entsprechende Skala:

Die geographische Länge des Beobachtungsstandortes wird für die Berechnung der Sternzeit gebraucht. Auf die Sekunde genau muss es nicht sein, da man die Montierungen nicht so genau einstellen kann. Hierzu gibt es mehrere Möglichkeiten, je nachdem, welche Methode bevorzugt wird:

  • Astronomische Jahrbücher (z.B. Kosmos Himmelsjahrbuch) enthalten entsprechende Tabellen für die Berechnung der Sternzeit. Wie das genau funktioniert, ist in den jeweiligen Büchern erklärt, hier ist jedes auch ein bisschen anders.
  • In der heutigen Zeit können aber auch sehr gut Astronomieprogramme und -apps genutzt werden. Auch hier kann man nur ausprobieren, womit man selbst am besten zurecht kommt.
  • Für Freunde der astronomischen Ortsbestimmung mit dem Nautischen Jahrbuch (herausgegeben vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie, kurz BSH)*: die Sternzeit ist nichts anderes als der Ortsstundenwinkel des Frühlingspunktes umgerechnet in Stunden, Minuten und Sekunden.

*Gemäß SOLAS Kapitel V (Regel 2 Abs. 2, Regel 19 Abs. 2.1.4, Regel 27) ist das Nautische Jahrbuch für Schiffe nicht mehr ausrüstungspflichtig und wird daher nicht mehr publiziert, 2020 war der letzte Jahrgang. Für Freunde der astronomischen Navigation empfiehlt sich das Nautical Almanac NP314, herausgegeben von „Her Majesty’s Nautical Almanac Office“.

Jetzt kann die Sternzeit an der Montierung eingestellt und die elektrische Nachführung eingeschalten werden. Ohne elektrische Nachführung funktioniert das ganze auch, man muss aber öfters die Sternzeit nachstellen.

Beispielsweise ist bei der Montierung des Telemators die Sternzeit mit groß-Theta beschriftet. Das ist aber nicht bei jedem Hersteller so…

Nun braucht man die Koordinaten des hellen Objektes, was man beobachten möchte. Da das Teleskop jetzt noch nicht eingenordet ist, empfiehlt sich ein helles Objekt wie z.B. Mond, Venus oder Jupiter. Die Sonne geht auch, aber dann ist ein Sonnenfilter zwingend erforderlich. Die thermische Belastung wäre ansonsten nicht gut für die Okulare. Diese können dadurch zerstört werden. Ach ja, und wenn man ohne Sonnenfilter die Sonne beobachtet, führt das unweigerlich zu schweren Augenschäden bis hin zur Erblindung.

Voraussetzung ist jedoch in jedem Fall (mit Ausnahme von Sonne oder Mond): das Teleskop muss bereits scharf gestellt sein. Deswegen am Ende einer Beobachtung immer wieder ein Okular mit großem Gesichtsfeld einsetzen und schön scharf stellen, zumindest wenn man weiß, dass man vielleicht am Taghimmel etwas beobachten möchte ;-).

Die Koordinaten bekommt man ebenfalls entweder aus einem Astronomischen Jahrbuch, dem Nautischen Jahrbuch oder durch ein elektronisches Helferlein.

Die Rektaszension kann dann an der selben Skala eingestellt werden, an welcher man die Sternzeit eingestellt hat. Im Beispiel oben beträgt die Sternzeit etwa 4 Stunden 2 Minuten sowie die Rektaszension 4 Stunden 40 Minuten.

Die Deklination wird entsprechend an der Deklinationsachse eingestellt:

Nun braucht man das Teleskop nur noch horizontal in die Richtung des zum Einnorden zu verwendeten Objektes drehen, bis das im Okular erscheint. Ein Kompass kann in diesem Fall hilfreich sein, da man so die Polachse des Teleskops bereits grob nach Norden drehen kann. In diesem Fall war das Objekt zum Einnorden die Venus:

Jetzt ist das Teleskop eingenordet. Sobald man das Objekt in der Bildmitte hat, kann man auch mehr vergrößern:

Hier sieht man die Sichel der Venus schon besser. Diese ist nur mit dem Handy durch das Okular abgelichtet, was eine ziemlich wackelige Sache ist…

Hat man so das Teleskop erfolgreich nach Koordinaten am Taghimmel eingenordet, kann man auf die selbe Art und Weise auch andere Objekte finden. Hier als Beispiel mal Beteigeuze am Taghimmel (der mit dem Pfeil gekennzeichnete Punkt):

Es gilt bei hellen Sternen am Taghimmel: je mehr man vergrößert, desto besser sieht man sie. Sterne sind so weit weg, dass es sich dabei immer um eine Punkthelligkeit handelt, also die Helligkeit durch Vergrößern nicht abnimmt. Der blaue Himmel ist jedoch eine Flächenhelligkeit, welche beim Vergrößern dunkler wird. Trotzdem sollte man am Anfang nicht all zu hoch vergrößern, damit sich das gesuchte Objekt nicht außerhalb des Gesichtsfeldes versteckt.