UPDATE C/2019 Y4 (ATLAS) – (doch nicht) der nächste große Komet – in vier Teile zerbrochen

UPDATE: 15.04.2020

Am 6. April 2020 gab es erste Berichte über eine mögliche Fragmentierung des Kometen Y4 ATLAS. Der Komet ist nun in mindestens 4 Stücke zersplittert. Die Fragmentierung könnte das Ergebnis von Ausgasungen sein, die eine Zunahme der Zentrifugalkraft des Kometen verursachen. Leider wird dadurch die große Helligkeit nicht erreicht werden können. Bilder  folgen.

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Der Komet C/2019 Y4 (ATLAS) wurde am 28. Dezember 2019 auf CCD-Bildern entdeckt, die mit einem 0,5-m-Spiegelteleskop auf dem Mauna Loa in Hawaii aufgenommen wurden. Die Bilder wurden im Rahmen des Asteroiden „Terrestrial-Impact Last Alert System“ (ATLAS) aufgenommen. Zum Zeitpunkt seiner Entdeckung hatte der Komet von der Erde aus gesehen eine Helligkeit von 19,6 Magnitude im Sternbild Großer Bär. Larry Denneau war der erste, der das kometenhafte Aussehen des Objekts erkannte und meldete das Objekt auf der Possible Comet Confirmation Page des Minor Planet Center, um andere Astronomen zu informieren. Weitere Beobachtungen in den folgenden Tagen identifizierten eine Koma. Ein Kometenschweif wurde im Laufe der weiteren Beobachtungen immer deutlicher.

Zwischen Anfang Februar und Ende März erhöhte sich die Helligkeit des Kometen von der 17. Magnitude auf 8. Magnitude, was einer 4000fachen Helligkeitssteigerung entspricht. Im März 2020 nahm die Helligkeit des Kometen um weitere vier Magnituden zu. Die derzeit markante grüne Färbung von C/2019 Y4 (ATLAS) entsteht durch Emissionen von zweiatomigem Kohlenstoff mit einem grünlich-gelben Schweif. Als diffuses Objekt muss der Komet eine scheinbare Helligkeit von etwa 3-4 Magnituden erreichen, um für den zufälligen Beobachter offensichtlich zu sein.

C/2019 Y4 (ATLAS) – 23.03.2020. Aufgenommen mit einen 23,5cm Teleskop f/5,9. Canon Eos 7D Mark II, 30 x 120 Sekunden – nachgeführt auf den Kometen. Aufgenommen von der GAB.

Zum Zeitpunkt seiner Entdeckung war Y4 (ATLAS) fast 3 Astronomische Einheiten (AE) von der Sonne entfernt. Die ersten Bahnberechnungen für den Kometen wurden auf dem Minor Planet Electronic Circular veröffentlicht und basierten auf Beobachtungen, die zwischen dem 28. Dezember 2019 und dem 9. Januar 2020 gemacht wurden und die eine 4.400-jährige Umlaufperiode und ein Perihel von 0,25 AE ergaben. Es wurden Ähnlichkeiten zwischen den Bahnelementen von C/2019 Y4 und dem Großen Kometen von 1844 (C/1844 Y1) festgestellt, was darauf hindeutet, dass Y4 (ATLAS) ein Fragment desselben Mutterkörpers ist.

Die JPL-Small-Body-Database mit der Epoche vom 18. Februar 2020, zeigt den Kometen mit einer Umlaufdauer von etwa 6.000 Jahren. Diese Berechnung schließt Störungen innerhalb der Planetenregion ein. Eine bessere Berechnung für die anstehende baryzentrische Passage – bevor der Komet in die Planetenregion eintrat – zeigt eine Umlaufdauer von etwa 4.800 Jahren. Der Komet wird seinen sonnennächsten Punkt am 31. Mai 2020 erreichen. Nach dem Verlassen der Planetenregion wird der Komet eine Umlaufdauer von etwa 5.200 Jahren haben.

Eine gute Sichtbarkeit bietet der Komet für die Nordhalbkugel vor und für die Südhalbkugel nach dessen Periheldurchgang. Die Helligkeitsprognosen für diese Zeit schwanken zwischen 0. Magnitude bis beeindruckende -9. Magnitude. Mit diesen Helligkeiten kann der Komet problemlos mit bloßen Augen in der Abenddämmerung im Nordwesten beobachtet werden.

Uwe Pilz – VdS Fachgruppe Kometen

VdS -Forum Diskussion

C/2019 Y4 (ATLAS) ist leider schon kurz vor dem Periheldurchgang nicht mehr von der Nordhalbkugel aus zu beobachten.

Cartes du Ciel – Sichtbarkeitskarte

Vor seinem Perihel durchläuft der Komet die Sternbilder Großer Bär, Giraffe und den Fuhrmann. Danach verabschiedet sich Y4 (ATLAS) im Sternbild Stier vom Abendhimmel der Nordhalbkugel.

    • Beginn der Sichtbarkeit mit bloßen Auge – Mitte Mai
    • Perigäum (Erdnähe) – 23.05.2020 – 0,7809 AE
    • Ende der Sichtbarkeit auf der Nordhalbkugel – 21.05.2020
    • Perihel (Sonnennähe) – 30.05.2020 – 0,2534 AE 

Wenn dieses Szenario eintritt, wäre dies der hellste Komet seit C/2006 P1 (McNaught) aus dem Jahren 2006 – 2007, welcher nur von der Südhalbkugel in seiner spektakulären Phase beobachtbar war.