Uranus und Neptun – zwei (fast) vergessene Planeten

Bei öffentlichen Beobachtungen zeigen wir den Besuchern meist die auffälligen Gestirne, wie Jupiter, Saturn oder Mond.
Es gibt für Amateurastronomen aber noch viel mehr zu entdecken.
Zwei Ziele für den ambitionierten Beobachter sollten immer auch die Planeten Uranus und Neptun sein.

Die Entdeckung beider Planeten markierte zu deren Zeit einen Meilenstein in der astronomischen Forschung.

Uranus am 28. Oktober 2014 G-RGB-Bild

Uranus wurde im Jahre 1781 vom deutsch-britischen Astronomen Wilhelm Herschel entdeckt. Dabei hatte er als technisches Hilfsmittel sein Teleskop verwendet.

Bis dahin kannten die Menschen nur die Planeten Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn.

Mit der Entdeckung dieses völlig neuen Planeten ausserhalb der Saturnbahn erweiterte sich das Weltbild der Menschen beträchtlich. Der Glaube an den wissenschaftlich-technischen Fortschritt war zu dieser Zeit fest an dieses Ereignis geknüpft.

Anhand von Störungen in der berechneten Umlaufbahn des Uranus bestimmte der französische Mathematiker Le Verrier, dass es noch weiter entfernt, einen weiteren bis dahin ebenfalls unentdeckten Planeten geben müsse.
Seine genaue Position berechnete er lediglich mit Papier und Bleistift. Als Grundlage für diese Berechnungen diente die Schwerkrafttheorie von Isaac Newton. Das Ergebnis schickte er am 18. September 1846 an den Astronomen Johann Gottfried Galle in Berlin. Der richtete fünf Tage später sein Teleskop nach den Daten Le Veriers aus und fand schon nach dreißig Minuten den neuen Planeten, der den Namen Neptun erhielt.

Neptun am 28. Oktober 2014 RGB-Bild

Mit derselben Methode wurde auch der "Himmelskörper" Pluto entdeckt. Ende des 19. Jahrhunderts wurden winzige Abweichungen in der Neptunbahn festgestellt. Das war für Percival Lowell Grund genug, die Jagd nach dem Planeten X zu beginnen, die dann 1930 von Clyde Tombaugh mit Entdeckung des Pluto beendet wurde.

Beide Fotos sind am 28. Oktober 2014 auf dem Dach des Geografischen Institutes der Martin-Luther-Universität Halle entstanden. Wir haben dazu unser Teleskop C11 mit Astronomik RGB Filtern und der i-nova Planetenkamera verwendet. Eine Barlowlinse kam nicht zum Einsatz, dafür sind beide Bilder mit dem sog. Drizzleverfahren digital um den Faktor 1,3 vergrößert. Beide Abbildungen sind zueinander maßstabsgetreu.

Bei Uranus erkennt man schon sehr deutlich das flächenhafte Aussehen und die bläuliche Färbung. Neptun ist auch im Teleskop ziemlich schwer zu erkennen. Dem Beobachter zeigt sich ein sternenähnlicher Punkt, der aber im Gegensatz zu den echten Sternen nicht dem seeingbedingten Flackern unterworfen ist.

Verwendete Literatur:

Govert Schilling: Die größten Entdeckungen ASTRONOMIE. Stuttgart 2009

  • juergen sagt:

    Hallo Steffen,

    tolle Bilder, ich bin begeistert! 🙂

    Zur Geschichte der Neptun-Entdeckung empfehle ich als weiterführende Lektüre dieses Buch:

    Tom Standage: Die Akte Neptun - Die abenteuerliche Geschichte der Entdeckung des 8. Planeten. Campus Verlag Frankfurt/New York 2001