Kann man mit einer Schwarzweisskamera Farbfotos machen?

Ja, man kann!

Jupiter vom 01.12.2012

L-RGB Komposit des Jupiter vom 01.12.2012

Dieses Foto wurde mit einer Schwarzweisskamera aufgnommen.

Damit es jedoch farbig wird, ist eine Serie von drei Aufnahmen notwendig, wobei jeweils ein anderer Farbfilter verwendet wird.
Es kommen ein Rot-, ein Grün- und  ein Blaufilter zur Anwendung. Jeder Filter lässt nur den jeweiligen Spektralbereich des Lichtes passieren, also der Rotfilter nur das rote Licht, der Grünfilter nur das grüne Licht und eben der Blaufilter das blaue Licht. Dabei entstehen drei Schwarzweissbilder auf denen allerdings die Informationen der einzelnen Farben gespeichert sind.

Serie
Diese drei Monochrombilder werden anschließend auf dem Computer in den entsprechenden Farben eingefärbt und kombiniert.

RotGrünBlau
Nun müssen die einzelnen Kanäle nur noch passend übereinandergeschoben und die Farbbalance dem natürlichen Anblick im Teleskop angeglichen werden.

RGB-Aufnahme

Es entsteht diese R(ot)G(rün)B(lau)-Aufnahme.

Welchen Vorteil hat aber nun dieses komplizierte Verfahren?

Man kann an einer Schwarzweisskamera noch viel mehr Filter verwenden, z.B. einen Infrarotfilter. Im Infrarotbereich ist das Licht nicht mehr so empfindlich gegen die Luftunruhe und man macht ausserdem viel kontrastreichere Strukturen von Planetenoberflächen sichtbar.

Infrarot
Dieses Infrarotbild liefert jetzt die Hell-Dunkel-Informationen, wenn es mit dem RGB-Bild kombiniert wird.

Jupiter vom 01.12.2012

Diese Technik nennt sich Luminanz-RGB Verfahren (L-RGB). In unserem Beispiel wurde das gesamte Verfahren mit dem kostenfreien Computerprogramm "Fitswork" gemacht.

Übrigens, moderne Farbkameras arbeiten nach dem oben genannten RGB-Prinzip, jedoch sind die drei Farbfilter mikroskopisch klein nebeneinander auf dem Aufnahmechip aufgebracht, so dass immer drei Pixel eine Einheit Rot, Grün und Blau bilden. Diese Kameras nehmen alle drei Farbbereiche gleichzeitig mit einem Belichtungsvorgang auf. Die Verarbeitung des Bildes geschieht automatisch in der Kamera.

Daraus ergibt sich aber auch der eingeschränkte Nutzen von Farbkameras für die Astrofotografie. Zum Einen nutzen Monochromkameras bei den einzelnen Serienaufnahmen alle vorhandenen Aufnahmepixel für jeweils eine Farbe. Im Gegensatz dazu verwendet die Farbkamera für eine Farbe nur jedes dritte Pixel, die zwei anderen Pixel werden ja für die beiden anderen Farben gebraucht. Außerdem sind in Farbkameras die Filter fest integriert und man kann weitere speziell für Astrofotos entwickelte Filter nur noch sehr eingeschränkt verwenden. Die Spektralbereiche von diesen Spezialfiltern (z.B. H-alpha oder UV-Filter) würden durch die eingebauten RGB-Filter einfach "verschluckt" werden.

Diese und noch weitere Details über die Astrofotografie können Sie erfahren, wenn sie uns zu unseren öffentlichen Veranstaltungen besuchen.

(Alle Fotos wurden mit der monochromen Videokamera "I-Nova PLA-m" und Astronomikfiltern Rot, Grün, Blau, sowie dem Infrarotfilter PlanetPro 807 aufgenommen. Die Optik war ein C11 mit einer 2,25 fach Barlowlinse.
Das Aufnahmedatum war der 01.12.2012, Ort war die Sternwarte Halle auf der Peißnitzinsel)