Die Perseiden

"Im August gibt es besonders viele Sternschnuppen.", so hört man immer wieder. Und es ist tatsächlich etwas dran! Jedes Jahr zwischen Mitte Juli und Ende August ist der Meteorstrom der Perseiden aktiv. Wie entsteht so ein Meteorstrom, und wie können Sie ihn selbst beobachten?

Die "Laurentiustränen" - so werden die Perseiden manchmal auch genannt - verdanken wir dem Kometen 109P/Swift-Tuttle. Wie alle Kometen kann man sich Swift-Tuttle als schmutzigen Schneeball vorstellen, als ein Gemisch aus Wassereis, gefrorenen Gasen und Staub. Wie es für Kometen typisch ist umrundet er die Sonne auf einer langgestreckten, also sehr exzentrischen Bahn. Diese Bahn führt ihn zu manchen Zeiten sehr weit von der Sonne weg, zu anderen Zeiten sehr nah an die Sonne heran. Befindet er sich in Sonnenferne, dann bleibt er praktisch tiefgefroren. Kommt er aber in Sonnennähe, dann lässt die Sonnenstrahlung Material von seiner Oberfläche verdampfen (genauer: sublimieren, denn das feste Eis wird sofort gasförmig). Dabei wird Staub aus dem Eis freigesetzt, und jedes Staubkorn umrundet von da an die Sonne auf seiner eigenen Bahn. Es entsteht eine Staubspur im Weltall.

Einmal im Jahr kreuzt die Erde diese Staubspur. Dann rasen Staubkörner mit knapp 60 km/s (!) in die Lufthülle unseres Planeten und heizen sich durch Reibung so sehr auf, dass sie verglühen. Die Luftmoleküle entlang ihrer Flugbahn werden durch diese Hitze für einen kurzen Moment zum Leuchten angeregt: Wir sehen eine Sternschnuppe über den Himmel huschen.

Dieses Foto aus dem Jahr 1997 zeigt einen hellen Perseidenmeteor. Beim genauen Hinsehen erkennt man noch eine zweite, schwächere Sternschnuppe. In der beschrifteten Version sieht man deutlich, dass die beiden Meteore sich zwar direkt vom Radianten weg bewegen, dass sie aber nicht direkt im Radianten beginnen. Foto mit freundlicher Genehmigung von Rick Scott

Klicken Sie auf das Bild, um es in voller Größe zu sehen und um zu einer beschrifteten Version zu gelangen © Rick Scott

Die Erde rast durch die Staubspur, so wie ein Auto durch einen Mückenschwarm fährt: Für die Insassen sieht es so aus, als würden alle Mücken von einem gemeinsamen Ausgangspunkt kommen. Ähnlich ist es mit den Meteoren (ein anderes Wort für Sternschnuppen): In Wirklichkeit bewegen sich die Staubkörner parallel zu einander, aber die Perspektive spielt uns einen Streich. Scheinbar strömen nämlich alle Meteore von einem Punkt am Himmel aus. Diesen Punkt nennt man den "Radianten". Der Radiant der Perseiden liegt im Sternbild Perseus - daher kommt also der Name des Stroms! Das heißt allerdings nicht, dass alle Meteore im Sternbild Perseus beginnen. Sie können an jeder beliebigen Stelle des Himmels auftauchen, aber ihre Leuchtspuren weisen immer vom Radianten weg. Erst wenn man die Leuchtspuren in Gedanken rückwärts verlängert, treffen sie sich alle im Radianten. Das ist sehr schön in der beschrifteten Version des Fotos auf der linken Seite zu sehen.

Übrigens gibt es Tausende Kometen, und die Erde kreuzt im Lauf eines Jahres mehr als eine Staubspur. Es gibt also auch andere Meteorströme. Berühmt sind beispielsweise die Leoniden, die in den vergangenen Jahren für gewaltige Ausbrüche gesorgt haben. Einige dieser Ströme können sich durchaus mit den Perseiden messen, denken wir nur an die Quadrantiden im Januar und die Geminiden im Dezember. Warum kennen dann die meisten Leute nur den August als Sternschnuppenmonat? Nun, die Perseiden im August kann man sehr bequem beobachten. In den lauen Sommernächten und in der Urlaubszeit schauen auch Menschen zum Himmel, die sich sonst weniger für die Astronomie interessieren. Vielleicht sind die Perseiden deshalb so bekannt?